Für die Negishi Sushi Bar im Bahnhof Winterthur entwickelten wir ein Innenarchitektur- und Markenkonzept, das bewusst aus der Logik des Ortes heraus entsteht: Transit, Geschwindigkeit und Verdichtung. Die gestalterische Storyline verortet sich im Japan der frühen Industrialisierung, einer Zeit des Umbruchs zwischen handwerklicher Tradition und technologischem Fortschritt – ergänzt durch englische Industrie-Einflüsse, wie sie über den Eisenbahnbau nach Japan gelangten.
Der Raum erzählt diese Geschichte konsequent über Materialität, Details und Funktion.
Design-Narrativ: Eisenbahn, Energie, Effizienz
Backsteinwände zitieren die industrielle Architektur europäischer Bahnhöfe und bilden den robusten Rahmen für das Take-away-Konzept. Zentrale Funktionselemente sind bewusst als Infrastrukturobjekte inszeniert:
Der Kühler für fertig verpackte Sushi-Boxen ist in eine Zugwaggon-Beplankung gefasst, die Take-away-Stationen erinnern formal an elektrische Stromschaltkästen, während die Übergabestation als transparente Bahnhoffassade aus Glas gestaltet ist – klar, funktional und hochfrequentiert.
Der Warte- und Stehbereich greift das Bahn-Narrativ weiter auf: Sitz- und Ablageelemente aus gestapelten Gleisschwellenhölzern erzeugen eine rohe, ehrliche Atmosphäre und verankern das Projekt visuell wie haptisch im Kontext der Eisenbahn.
Funktionalität im Fokus: Hochfrequenz auf kleinster Fläche
Der Standort ist konsequent auf maximale Geschwindigkeit und minimale Reibung ausgelegt. Pickup-Services wie Uber Eats und andere Delivery-Anbieter können Bestellungen ohne Kreuzungen oder Verzögerungen abholen, während Kundinnen und Kunden direkt bestellen oder vorbereitete Produkte aus dem Kühler entnehmen.
Bewusst wurde auf klassische Sitzplätze verzichtet – stattdessen gibt es eine Stehbar, die kurze Aufenthalte unterstützt und den schnellen Durchfluss gewährleistet.
Ganzheitliche Umsetzung
Von der Gastro- und Ablaufplanung über Innenarchitektur, Materialisierung, Möbel-Massanfertigungen bis hin zu Grafik, Signaletik und Markenkonzept wurde das Projekt vollständig aus einer Hand entwickelt. Das Resultat ist ein hochfunktionaler Take-away-Standort, der trotz minimaler Fläche eine starke Identität besitzt und den Bahnhof nicht nur bedient, sondern erzählerisch erweitert.